Wie entstehen Ideen? Was fördert Innovation?6 min Lesezeit

Ich stelle im Schnelldurchlauf einige Methoden vor, mit denen in Gruppenworkshops Ideen generiert werden können. Ich schätze die Kraft der Bilder, aber habe mich hier auf textlastige Methoden konzentriert.

# Die Idee ↓
# Von der Idee zur Innovation ↓
# Der Klassiker: Post-up
# Die Moderne: 3–12–3 Brainstorming
# Der Perspektivenwechsel: Das Antiproblem
# Die Mobile: Ideengalerie
# Die Schwierige: Zwangsanalogie
# Die Strukturierte: Heuristische Ideenfindung
# Ehrenwerte Erwähnung: Der Ideeomat
# Zum Weiterlesen

Der Ruf nach Innovation ist laut. Möchte ein Unternehmen in diesen Tagen wettbewerbsfähig bleiben, so muss es schneller sein als die anderen und innovativer.

Aber was bringt ein Unternehmen dazu, innovativ zu sein? Woher kommen die Ideen?

Wir brauchen nicht lange zu suchen, sondern gehen gleich dorthin, wo wir den Ursprung allen Übels (mit Verlaub!) und aller Ideen vermuten: in die Köpfe der Menschen. Ideen entstehen natürlich in den Köpfen der Menschen.

Geistesblitze, Aha-Erlebnisse und Schuppen, die von den Augen fallen – all das hat viel mit Kreativität zu tun. Ideen stehen in enger Wechselwirkung zur Kreativität und können gleichermaßen am besten in freien, ungezwungenen Umgebungen gedeihen, in denen auch Kreativität bestens gedeiht.

Nach KOUNIOS/BEEMAN passiert der Ideenprozess in vier Gedankenstufen:

  1. Vertiefung
  2. Sackgasse
  3. Ablenkung
  4. Einsicht

In der Vertiefung kniet man denkend und arbeitend in der Sache, bis man in eine Sackgasse gelangt, wo man vermeintlich nicht weiter weiß. Nimmt man sich nun Zeit, sich abzulenken, so scheint die Einsicht später wie von alleine zu kommen. Padautz! Da kommt etwas direkt aus dem Unterbewusstsein hervor. Und möglicherweise direkt in die sprichwörtliche „Badewanne der Einfälle“.

Kurz vor der Einsicht passiert etwas Neurologisches im Gehirn: Die EEG-Alpha-Wellen zeigen starke Aktivität im rechten Hinterkopf, bevor es zu EEG-Gamma-Wellen in der rechten Gehirnhälfte kommt. Man könnte das „Gehirnblinzeln“ nennen oder auch „Leerlauf der Neuronen“. Das Gehirn schaltet zuvor herunter, bevor es mit der Idee feuert – das Ablenken und Nicht-daran-denken ist also zentraler Kern des Ideenprozesses.

Von der Idee zur Innovation

Eine Innovation ist noch mehr als eine Idee, vielleicht ist die Innovation die Wirtschaft gewordene Idee. Glaubt man dem Digitalen Wörterbuch der Deutschen Sprache (was man sollte), ist eine Innovation oft „bahnbrechend, technologisch“, aber auch „kreativ“.

Nach dem DWDS ist Innovation in der Soziologie eine „geplante und kontrollierte Veränderung, Neuerung in einem sozialen System durch Anwendung neuer Ideen und Techniken“ und bildungssprachlich schlicht die „Einführung von etw. Neuem; Neuerung; Reform“.

Allerdings ist eine Innovation in der Wirtschaft die „Realisierung einer neuartigen, fortschrittlichen Lösung für ein bestimmtes Problem, bes. die Einführung eines neuen Produkts oder die Anwendung eines neuen Verfahrens” – und das ist es, was uns eigentlich interessiert.

„Innovation ist die Realisierung einer neuartigen, fortschrittlichen Lösung für ein bestimmtes Problem.“

Und das interessiert uns wirklich! Denn die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens hängt von seiner Innovationskraft ab und diese wiederum basiert auf den Ideen der Menschen. Warum also nicht einen Workshop gestalten, in dem die Ideen nur so sprudeln? Ich stelle einige Methoden kurz vor, mit denen das Ideen generieren spielend leicht von der Hand geht.

Der Klassiker: Post-up

Um Ideen zu generieren eignet sich das klassische Post-up nicht schlecht. Dabei werden erst in Stillarbeit in wenigen Minuten zu einem Thema Einfälle gesammelt und auf Post-its geschrieben. Danach werden die Einfälle gemeinsam geclustert und besprochen.

Wichtig bei dieser Methode ist, dass die erste Phase wirklich in Ruhe und Stillarbeit passieren kann. Dies ist wichtig für die Konzentration. Der Vorteil der Methode liegt im Sammeln vieler Ideen, die im Plenum untergegangen wären.

An diese Phase ließe sich gut ein Zusammengehörigkeitsplan (Affinity Map) anschließen, bei dem die Einfälle in Gruppen sortiert werden.

Die Moderne: 3-12-3 Brainstorming

In dieser Brainstorming-Session, in der erste grobe Konzepte zu Ideen entwickelt werden, ist Zeitdruck ein entscheidender Faktor und sollte ernst genommen werden. Durch den Zeitdruck werden eher spontane nicht-analytische Entscheidungen getroffen, was erwünscht ist.

  • 3 Minuten: Zu einem Thema werden möglichst viele Eigenschaften eines Themas auf Kärtchen geschrieben.
  • 12 Minuten: Jede Zweiergruppe zieht aus den Eigenschaften 3 Kärtchen und entwickelt zum Thema ein grobes Konzept, die gezogenen Kärtchen dienen als Ideengeber.
  • 3 Minuten: Die Zweiergruppen präsentieren ihre Ergebnisse mit Skizzen, Prototypen etc.

Der Perspektivenwechsel: Das Antiproblem

Wenn sich keine neuen Ideen mehr auftun, hilft ein Perspektivenwechsel. Im Spiel „das Antiproblem“ wird der Spieß umgedreht und das Problem in sein Gegenteil verkehrt – je skurriler, desto besser.

In Kleingruppen oder Paararbeit werden zum Antiproblem (z.B. wie werde ich schnell meine Kunden los?) in 20 Minuten möglichst viele Ideen gefunden. In einer gemeinsamen Präsentationsrunde können die Ideen besprochen werden.

Siehe auch „Reverse it“ auf Design Games von Donna Spencer.

Die Mobile: Ideengalerie

Die Methode der Ideengalerie (als Erweiterung des Brainwriting) habe ich selbst in einem Moderationsworkshop schon einmal ausprobiert und sie hat mich damals sehr angesprochen!

Es werden die Ideen nicht wie sonst auf eigene Kärtchen oder Zettel, die herumgegeben werden, geschrieben, sondern auf Flipcharts, die verteilt im Raum stehen. Pro Flipchart gibt es einen Aspekt oder ein Subthema, die Flipcharts können kontrolliert in Gruppen oder still in Einzelarbeit gewechselt werden.

Der Vorteil dieser Methode ist, dass die bereits von anderen notierten Ideen als Inspiration für weitere Ideen sein können.

Die Schwierige: Zwangsanalogie

Bei der Zwangsanalogie werden im ersten Schritt nach dem Zufallsprinzip viele unterschiedliche Begriffe (Tiere, Menschen, Gegenstände) mit jeweils ca. 3 Eigenschaften notiert. Erst dann wird das Thema aufgemacht. Nun werden Analogien zwischen den Gegenständen und dem Thema gesucht, anhand dieser Fragen:

  • Wie ähnelt unser Problem dem Gegenstand?
  • Wie lösen wir das Problem mithilfe des Gegenstands?

Die notierten Eigenschaften können vor allem bei der ersten Frage behilflich sein.

Die Strukturierte: Heuristische Ideenfindung

Bei der heuristischen Ideenfindung wird anhand mehrerer Kategorien ein einfaches Raster erstellt. Diese Kategorien werden dann im Raster gedanklich miteinander verbunden, um auf neue Ideen zu kommen. Hier kann vor allem die deutsche Sprache mit ihren Komposita punkten, die einfaches Zusammensetzen von Kategorien erlaubt. Ausgangspunkt für die Kategorien können Eigenschaften bestehender Produkte und Services sein.

Bei der Wahl der Kategorien auf Plausibilität achten! Lassen sich bestehende Services nicht einordnen, sind die Kategorien möglicherweise ungeschickt gewählt.

Ehrenwerte Erwähnung: Der Ideeomat

Auf einem Seminar zur Ideenfindung von Sonja Zant und Johanna Gradauer lernte ich die Toolbox „der Ideeomat“ kennen. Dieser Tage ist ihre Website leider offline (ideeomat.at), es scheint, als wäre das Angebot eingestellt worden.

Der Ideeomat (bzw. die Innovationsbox) ist eine recht ausgefeilte, wissenschaftlich fundierte Toolbox für den Einsatz in Beratungsprozessen und Gruppenseminaren zur gemeinsamen Ideenfindung. Einfache Übungen, die mit den Techniken des Perspektivenwechsels, der Ablenkung u.ä. arbeiten, liefern recht schnell überraschend und beeindruckend tolle Ergebnisse. Mir hat es auf wundersame Weise Spaß und Freude gemacht, mit der Innovationsbox im Seminar zu arbeiten.

Weil das Video auch gut gemacht ist, poste ich es hier. Als Video-Inspiration, nicht als Produkt-Werbung. 😉

Bis auf Ideeomat entstammen alle Methoden dem Buch Gamestorming.

Bildquelle: Unsplash (Neonbrand)

Zum Weiterlesen:

  • Dave Gray, Sunni Brown, James Macanufo: Gamestorming. Ein Praxisbuch für Querdenker, Moderatoren und Innovatoren. Heidelberg: dpunkt.verlag, 2011. (O’Reilly, 2010)
  • John Kounios, Mark Beeman: Das Aha! ErlebnisWie plötzliche Einsichten entstehen und wie wir sie erfolgreich nutzen. München: DVA, 2015.
  • Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Mit Kollokationswörterbuch, Wortprofilen.
  • Ideeomat, entwickelt von Elisabeth Samhaber und Johanna Gradauer: Website (derzeit offline), auf Facebook, Video Innovationsbox

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