5 Punkte, warum Mikrolernen gut für Ihren Betrieb ist

Gehen wir davon aus, Sie haben einen Betrieb, entweder einen kleinen Familienbetrieb in der Holzerzeugung oder einen Großbetrieb in der Papierproduktion. Vielleicht auch einen Glasbetrieb etwas außerhalb der Hauptstadt, ein Tochterstandort der Mutterfirma in der Schweiz. So in unserem Fall. Wir gehen davon aus, dass Sie zwar technischen Neuerungen und dem Fortschritt positiv gegenüber stehen, Sie investieren auch in die Forschung. Dennoch werden Umwälzungen im Betrieb wohlweislich überlegt und in jahrelangen Projekten ausgerollt. Zu Recht!

In Produktionsbetrieben sind Sicherheitsmaßnahmen ein wichtiges Thema. Regulierungen und Gesetze werden im Laufe der Zeit nicht weniger und es ist eine große Herausforderung für Unternehmen, alle Richtlinien beweiskräftig zu erfüllen. Teil der Sicherheitsmaßnahmen ist die kontinuierliche Schulung und Weiterbildung der Mitarbeiter/innen, um mit geänderten Richtlinien Schritt zu halten. Was würden Sie tun, um die Kosten für die laufenden Schulungen möglichst gering zu halten? Wie könnten Sie technische Neuerungen der digitalen Transformation für sich nutzen?

In unserem Produktionsbetrieb haben wir in einem gemeinsamen Projekt von Lehre und Wirtschaft die Pilotierung des eLearning-Systems in einem Unternehmen umgesetzt. Der namhafte Glasproduktionsbetrieb arbeitet im vollkontinuierlichen Schichtbetrieb und es ist deshalb eine große Herausforderung, alle Mitarbeiter/innen an einen Tisch zu bekommen. Für die Sicherheitsschulungen bedeutet das, dass vor allem zeitliche Unabhängigkeit eine große Rolle spielt. Herkömmliche Inhouse-Schulungen sind in dieser Konstellation zeit- und kostenaufwändig. Als Verbesserung der Schulungsprozesse sollte ein Mikrolernsystem (oder: Microlearning) auf Basis eines Lernmanagementsystems (LMS) umgesetzt werden. Dies ermöglicht zeitunabhängige Schulung der einzelnen Mitarbeiter.

eLearning und Microlearning für Sicherheitsschulungen im Schichtbetrieb

Was ist Mikrolernen (Microlearning)? Mikrolernen ist Lernen in kleinen fokussierten sog. chunks, kleinen Wissenseinheiten. Es kann als Teilbereich des eLearnings gesehen werden.

Mikrolernen sind kurze Lernbrocken, die zu einem größeren Lernziel beitragen, dabei Lernen fördern, unterstützen oder erweitern; typischerweise digital und nach Bedarf (on demand).
—Tracy King1(freie Übersetzung der Verfasserin)

Mikrolernen kann formell und informell passieren, hat aber nichts mit mobilem Lernen zu tun. Grundsätzlich ist Mikrolernen eher für Elaboration und Übung, nicht aber für komplexe Lernprozesse geeignet.

Was sind Beispiele für die Lernbrocken, die im Mikrolernen verwendet werden? 2

  • einen Blogpost lesen
  • einen Podcast hören
  • ein Video ansehen
  • einen kurzen Text lesen
  • eine Lernkarte ansehen
  • ein Quiz beantworten
  • ein Mikrospiel spielen
  • an Tweet-Chats teilnehmen

Wir möchten im Folgenden in 5 Punkten aufzeigen, warum Mikrolernen auch für Ihren Betrieb vorteilhaft sein kann.

5 Punkte, warum Mikrolernen für Ihren Betrieb gut ist

1. Mikrolernen im eLearning ist zeitunabhängig.

Der große Pluspunkt. Die Mitarbeiter/innen können lernen wann und wie lange sie wollen. Lernen passt somit in die Rauchpause, in kurzen Happen vor die Schicht oder geblockt nach der Schicht. Die Zeitunabhängigkeit unterstützt die Lernendenautonomie und fördert so die Motivation und persönliche Involviertheit.

In unserem Unternehmen wurden die Mitarbeiter/innen angehalten, die Sicherheitsschulungen vor ihrer Schicht oder in den Pausen zu absolvieren. Insgesamt wurde ihnen dafür ein ähnlicher Zeitrahmen gegeben wie für herkömmliche Schulungen. Dieser Zeitrahmen ist idealerweise im Laufe der Zeit zu minimieren. Die Schulungszeit bleibt gleichzeitig immer Teil der Arbeitszeit.

2. Mikrolernen unterstützt Themen, die viel Wiederholung brauchen (z.B. Sprachen oder Fakten)

Das Faktenlernen in Sicherheitsschulungen und zu Inhalten von Produktionsbetrieben passt wundervoll zum Mikrolernen. In unserem Fallbeispiel wurden Sicherheitsthemen zum heißen und kalten Ende in der Produktionskette der Glasprodukte in kleine Lerneinheiten gepackt, mit Übungen und Endtests versehen und in thematische Kurse gebündelt. Die Lernenden können den Fortschritt ihres Lernens selbst verfolgen. Sobald sie sich bereit fühlen, nehmen sie am Abschlusstest zum Thema teil, der die Grundlage der Beweislage gegenüber der Behörden bietet, dass alle Mitarbeiter/innen das Themengebiet nicht nur geschult wurden, sondern auch verstanden haben.

In diesen Themen punktet Mikrolernen außerdem noch: Vorbewertungen und Vorbereitungen, Produktfeatures, Infohäppchen und Best Practices, einfache Prozesse und Prozedere (Schritt-für-Schritt-Anleitungen), Tutorials, Case Studies.3

3. Mikrolernen braucht nicht viel Zeit.

Heute sind die Lernenden leichter abzulenken und ungeduldiger. Die Aufmerksamkeitsspanne wird mit zunehmender Informationsdichte immer kleiner. Lernen in kleinen Happen ergibt bewältigbare Pensen. Wie lange dauert Mikrolernen nun wirklich? Man spricht von 2–3 Minuten als Richt- und 4 Minuten als Grenzwert.

4. Mikrolernen erfüllt die Wünsche der Lernenden.

„Ich möchte lernen wo ich will, wann ich will und wie ich es will.“ Wir gehen sogar noch weiter und sagen „was ich will“. Natürlich ist Lernen ein interner Prozess, der von außen zwar angeregt und unterstützt, jedoch nicht vollends bestimmt werden kann. Weigert sich ein Lerner, wird er nichts lernen. In Zeiten der Social Media sind es Lernende auch gewohnt, Content nicht nur zu konsumieren, sondern auch zu produzieren und zu kommentieren. Dabei agieren sie selbstbestimmt und autonom.

Erwachsene Lernende stützen sich auf einen breiten Erfahrungshintergrund, mit dem sie Neues verknüpfen. Sie kennen auch kollaborative und kooperative Formen des Arbeitens. Klassische Schulungssysteme entsprechen diesen gewohnten Anforderungen oft nicht: die aktive Rolle des Lernenden ist dabei nicht zentral genug.

Heute gibt es bereits stärkeres Verständnis dafür, dass Lernen nicht (nur) institutionell am Arbeits- oder Lernplatz stattfindet, sondern auch informell, „zwischen den Zeilen“.

5. Mikrolernen ist flexibel.

Mikrolerninhalte sind vergleichsweise rasch erstellt und können ebenso schnell erweitert werden. Die Zusammenarbeit mit den einzelnen Fachabteilungen geht leichter von der Hand, wenn Mitarbeit bereits in Teilbereichen möglich ist. Nicht jeder muss über den gesamten Kursverlauf Bescheid wissen, um Inhalte aus seiner Fachdomäne beizutragen.

Interdisziplinäres Lernen ist mit Mikrolernen einfacher möglich, da kleine Lernhäppchen schneller unterschiedlichen Wissensdomänen zugeordnet werden können.

Was muss passieren, damit Mikrolernen funktioniert?

Die Informationshappen müssen so gut als möglich mit dem Vorwissen und Wissenslevel der Teilnehmenden in Einklang gebracht werden. Das ist leichter gesagt als getan! Es ist zumindest in der Erwachsenenbildung notwendig, das Vorwissen der Nutzer/innen als Komponente im didaktischen Konzept im Auge zu behalten.

Die Komplexität der Lernhäppchen passt idealerweise zu den Lerngewohnheiten der Teilnehmenden. Auch hier gibt es keine Standardangabe, je nach Unternehmenskontext können hier unterschiedliche Inhaltstiefen notwendig sein, um Kursteilnehmende weder zu unter- noch überfordern.

Die Sequenzierung der Lerninhalte bildet einen logisch-kausalen Lernprozess. Content ist dabei immer im Kontext zu verstehen – es gibt keinen Content ohne Kontext. Und natürlich ist die Technik alleine noch kein Garant für das Gelingen – ob Microlearning analog oder digital passiert, ändert nichts an der Notwendigkeit, ein starkes didaktisches Konzept zugrunde zu legen.

Haben wir Ihr Interesse geweckt, Mikrolernen in Ihrem Betrieb einzusetzen? Treten Sie mit uns in Kontakt, wir kommen gerne miteinander ins Gespräch.

Das Fallbeispiel „Glasproduktion“

Wir haben im Masterstudiengang „Angewandtes Wissensmanagement“ an der FH Burgenland im dritten Semester ein Praxisprojekt gemeinsam mit dem Unternehmen Vetropack umgesetzt. Die eLearning-Plattform wurde mit der Open-Source-Software Moodle, die Kursinhalte selbst über Articulate Storyline erstellt. Die Projektlaufzeit war ca. 4 Monate, am Ende stand ein fertiges Pilotsystem mit laufenden Kursen, die bereits in der Praxis getestet wurden. Die größten Herausforderungen im Projekt waren die knapp bemessene Zeitdauer in Kombination mit den technischen Anforderungen. Da es im Grund kein Projektbudget gab, mussten die technisch-fachlichen Kenntnisse innerhalb des Teams ausgebaut werden. Sehr gut funktioniert hat die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen, da das Projekt von der Abteilung Qualitätsmanagement im Unternehmen bereits hervorragend vorbereitet war.

–Projektteam: Roman Augustin, Isabell Grundschober, Philipp Hann, Herbert Jenecek, Sabine Melnicki

Bildquellen: Unsplash.com (CC0) und Vetropack Pressematerial

  1. King, Tracy, „Microlearning: Is Byte Size the Right Size“ (2017). Minnesota eLearning Summit. Online unter https://pubs.lib.umn.edu/index.php/mes/article/view/830/848
  2. King, Tracy, „Microlearning: Is Byte Size the Right Size“ (2017). Minnesota eLearning Summit. Online unter https://pubs.lib.umn.edu/index.php/mes/article/view/830/848
  3. King, Tracy, „Microlearning: Is Byte Size the Right Size“ (2017). Minnesota eLearning Summit. Online unter https://pubs.lib.umn.edu/index.php/mes/article/view/830/848

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